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Unsri Heimet

Unsri Heimet – do sin m'r d'heim ! Das Elsass, unsri Heimet !

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1. Adolf Gassers Versuch einer begrifflichen Klärung

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von Dr. phil. René Roca, Historiker

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Der Historiker Adolf Gasser (1903–1985) geht von der Grundannahme aus, dass Demokratie eine historisch gewachsene, aber zerbrechliche Errungenschaft ist. In seinem Hauptwerk «Gemeindefreiheit als Rettung Europas»1 und in vielen weiteren Beiträgen macht er sich grundlegende Gedanken, wie man den Begriff «Demokratie» möglichst umfassend definieren kann. Für Gasser hat der Begriff eine historische, eine ethische und eine pädagogische Dimension. Im Zentrum steht dabei sein Begriff der «Gemeindefreiheit». Ausgangspunkt seiner theoretischen Überlegungen ist eine historische Abhandlung über «gesunde und brüchige Demokratien» in Europa nach dem Ersten Weltkrieg.

1919 zeichneten sich alle europäischen Staaten bis zur russischen Grenze durch demokratische Strukturen aus. Doch schon in den nächsten zwei Jahrzehnten verschwanden in vielen Staaten die demokratischen Ansätze wieder zugunsten autoritärer oder totalitärer Regierungssysteme. Dies war besonders bei Staaten zu beobachten, die nach dem Ersten Weltkrieg erstmals eine Demokratie eingeführt hatten. Gasser sieht den Hauptgrund für dieses «Massensterben europäischer Demokratien» nicht in aussen-, sondern in innen politischen Problemen. Die Demokratie versagte vor allem in denjenigen Staaten, in denen es nicht gelang, Freiheit und Ordnung in eine «organische Verbindung» zu bringen. Diejenigen Staaten, die eine spezifisch geprägte demokratische Tradition aufwiesen, widerstanden trotz Weltwirtschaftskrise und Zweitem Weltkrieg der totalitären Versuchung. Neben den angelsächsischen Ländern USA und Grossbritannien zählten dazu die skandinavischen Staaten, Holland und die Schweiz. Dies, so Gasser, beweise, dass es zwei Arten von Demokratien gebe, gesunde und brüchige:

«Man wird sich daher vor der Behauptung hüten müssen, es habe irgendwie die Demokratie als solche oder ein mit ihr verknüpftes Wirtschaftssystem versagt. Vielmehr muss man sich merken: Der einheitliche Begriff ‹die Demokratie› ist eine reichlich lebensfremde Abstraktion. In Wirklichkeit zeigt der Begriff Demokratie, wie alle andern sozialen Hilfsbegriffe, von Land zu Land einen andern Wesensinhalt. ‹Demokratie› und ‹Demokratie› können trotz äusserlich übereinstimmenden Verfassungsmerkmalen geradezu grundverschiedene Dinge sein, und zwar ist für ihre Wesensbestimmung zumal die geistespolitische Einstellung der einzelnen Völker massgebend. Mit andern Worten: Demokratie ist im letzten Grunde gar nicht eine Sache der Staatsform, sondern eine Sache der Volksgesinnung.»2

Damit ist für Gasser ein Merkmal umschrieben, das es ermöglicht, die gesunden und die brüchigen Demokratien jederzeit klar zu unterscheiden. Die Begriffe «geistespolitische Einstellung» und «Volksgesinnung» leuchten eine ethische Dimension der Demokratie aus. Diese Dimension ist bei Gasser nicht ideell überhöht oder gar ideologisch verkürzt, sondern mit einem grundlegenden strukturellen Merkmal verknüpft. Dieses Merkmal ist die Gestaltung der kommunalen und regionalen Selbstverwaltung. Alle gesunden Demokratien, so verschieden sie auch gestaltet sind, verfügen über ein

«altangestammtes und äusserst lebenskräftiges Selbstverwaltungssystem ihrer kommunalen und regionalen Unterverbände. Weitgespannte Dezentralisation der Verwaltung: das ist das entscheidende Sondermerkmal dieser ‹altfreien Volksstaaten›.»3

Im Gegensatz zwischen dezentralisiertem und zentralistischem Verwaltungssystem sieht Gasser den Schlüssel zum Problem, weshalb die einen Demokratien Erfolg und Bestand hatten und die anderen nicht. Ausgangspunkt der dezentralen Staatsverwaltung ist für Gasser die «freie»4 Gemeinde, die genossenschaftliche Wurzeln besitzt. Die Genossenschaft als «ein ganz besonders fein organisiertes Ordnungselement»5 definiert sich durch die drei sogenannten «Selbst»: Selbstverwaltung, Selbstbestimmung und Selbsthilfe. Wenn solcherart gestaltete freie Gemeinden zu einem Staats wesen zusammenwachsen, so ist dieser Staat föderalistisch, also dezentral aufgebaut. Die menschliche Dimension in diesem Aufbau muss von bestimmten ethischen Grundsätzen getragen sein. Die Menschen wachsen auf ihrem spezifischen kulturellen Hintergrund in diese sozioökonomischen Strukturen hinein, prägen sie aus und entwickeln sie weiter. Die ethischen Grundsätze verleihen dem ganzen Stabilität, Sicherheit und Berechenbarkeit:

«Staatsbildungen, die von unten nach oben wuchsen und die Idee der Selbstverwaltung repräsentieren, sind regelmässig Gemeinwesen ganz besonderer Art; denn sie werden in erster Linie durch geistig-sittliche Kräfte zusammengehalten und nur nebenbei durch machtpolitische Klammern.»6

Die ethische Dimension der Gemeindefreiheit

fGasser versucht mit der Beschreibung von verschiedenen Prinzipien, die ethische Dimension klarer zu fassen. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer Art «Synthese von bürgerlicher Wachsamkeit auf der einen und bürgerlicher Selbstdisziplin auf der andern Seite».7 Diese geistig-moralische Dimension lässt sich nicht einfach mit einer geschriebenen Verfassung künstlich einführen. Sie folgt auch nicht automatisch, weil eine Gemeinde frei ist. Um diese Dimension menschlich auszufüllen, braucht es Werte, die in Erziehung und Bildung gelegt und im politischen Bereich vorgelebt werden müssen. Die freie Gemeinde, so Gasser, erziehe die Bürger nicht zu quantitativem, sondern zu qualitativem Staatsdenken. Dieses wichtige Element zeigt die Gemeinde als «autonomen Kleinraum», als «Bürgerschule»8 und in einem pädagogischen Bezug, der auf Werten aufbaut, aber auch Werte schafft. Im folgenden soll versucht werden, die verschiedenen ethischen Prinzipien, die Gasser in seinen Schriften nennt, genauer zu beschreiben.

• Das Prinzip der Koordination

Staatliches Gemeinschaftsleben ist nur im Rahmen eines Ordnungsprinzips möglich. Die zwei möglichen Ordnungsprinzipien sind das Prinzip der Subordination und das der Koordination. Mit anderen Worten stehen sich das Prinzip der herrschaftlichen Befehlsverwaltung und das der genossenschaftlichen Selbstverwaltung gegenüber.

«Entweder wird die staatliche Ordnung durch einen obrigkeitlichen Befehls- und Machtapparat gesichert, oder dann beruht sie auf dem freien gesellschaftlichen Willen einer Volkskollektivität.»9

Im ersten Fall erfolgt der Aufbau des Staates im wesentlichen von oben nach unten, im zweiten Fall von unten nach oben. Entweder müssen sich die Menschen ans Befehlen und die meisten ans Gehorchen gewöhnen, oder sie sind getragen vom Willen zur freien Zusammenarbeit. Gasser erwähnt in diesem Zusammenhang, dass natürlich Mischformen existierten, aber alle Beispiele zeigten eine bestimmte Tendenz hin zu einem der beiden Ordnungsprinzipien. Der Gegensatz «Herrschaft – Genossenschaft» ist für Gasser der wichtigste, den die Sozialgeschichte kennt. Er beleuchtet die elementarsten Grundlagen des menschlichen Gemeinschaftslebens und hat geistig-sittliche Konsequenzen.

• Das Prinzip der Freiwilligkeit

Genossenschaftlich organisierte Gemeinden benötigen die freie, gesellschaftliche Zusammenarbeit. Das gemeinsame Schaffen stellt eine Synthese von Freiheit und Ordnung dar und ist nur möglich, wenn der Wille zur freien kollektiven Zusammenarbeit untrennbar mit dem Willen zur freien kollektiven Einordnung verbunden ist. Durch die freiwillige Übernahme ehren- und nebenamtlicher Funktionen entsteht ein Milizsystem, das für die möglichst reibungslosen gesellschaftlichen Abläufe auf allen staatlichen Ebenen unverzichtbar ist.

«Die Demokratie besitzt nur dort im grossen Raume gesunde Entfaltungsmöglichkeiten, wo sie im kleinen Raume täglich praktisch ausgeübt und verwirklicht wird.»10

• Das Prinzip der Mitverantwortung

Die freiwillige Mitarbeit, die im überschaubaren Raum der Gemeinde getätigt wird, führt natürlicherweise zu einem weiteren ethischen Prinzip, dem Prinzip der Mitverantwortung. Damit entsteht, wie es Gasser ausdrückt, eine «innerliche Bindung an das Bestehende»,11 sprich primär an die Gemeinde, die ein «System kollektiver Mitverantwortungsbereitschaft und politischer Toleranz»12 ausprägt. Freiheit muss sich mit einem Pflichtgefühl für die öffentlichen Dinge verbinden, denn

«[…] wo sie des echten Willens zur Verantwortung, zur Mitverantwortung entbehrt, dort gerät sie unentrinnbar in Gefahr, zum blossen Individualismus und Egoismus zu entarten.»13

Das Individuum verschwindet aber deswegen nicht völlig im Kollektiv und muss sich der Gemeinschaft unterordnen:

«Ausgangspunkt der genossenschaftlich-dezentralen Staatsbildungen ist nicht die Individualfreiheit, sondern die Gemeindefreiheit. Aber es ist in der Gemeindefreiheit […] ein Keim von Individualfreiheit zwangsläufig enthalten.»14

• Das Prinzip der kollektiven Gesetzestreue

Zentral für die Gemeindefreiheit ist auch eine kollektive Rechtsgesinnung. Die von unten nach oben aufgebauten Staatswesen, die also von der Gemeindefreiheit ausgehen, weisen eine ganz andere Rechtsentwicklung auf als zentralistisch bestimmte Obrigkeitsstaaten. Das in genossenschaftlich-dezentralen Staatswesen entwickelte «alte Recht» (oder auch die «alte Freiheit») wurde durch die Jahrhunderte zur Tradition und in Konfliktsituationen jeweils zu einem wichtigen Bezugspunkt. Die alte Staats- und Rechtsbildung – oft mündlich überliefert und in einer Art Gewohnheitsrecht komprimiert – besass deshalb eine so grosse Bedeutung, weil diese vom Kollektiv mitgetragen wurde. Dieses Mittragen der bestehenden Ordnung, oft ausgedrückt in Ritualen und Symbolen, ist jeweils nur möglich, wenn sie in ihren Grundzügen als unbedingt rechtsgültig empfunden wird. Wenn diese Rechtsordnung verändert und angepasst werden soll, wird sie in der Regel ausgebaut, jedoch nicht zerstört.

• Das Prinzip des kollektiven Vertrauens

Aus der genossenschaftlichen Verbindung von Freiheit und Recht fliessen Kräfte von «unerhörter sittlicher Stärke».15 Gasser meint damit vor allem ein allgemeines politisches und soziales Vertrauen. Die Vertrauensbereitschaft des Einzelnen ist eine Voraussetzung für eine kollektive Vertrauensbasis. Kein Gemeindebürger muss unter diesen Voraussetzungen einen politischen Rechtsbruch von Mitbürgern befürchten. Diese «Freiheit von Furcht» stellt für Gasser ein wesentliches Kennzeichen aller genossenschaftlich-dezentralisiert aufgebauten Gemeinwesen dar. Überall dort, wo die Gemeindefreiheit existiert, hält man unerschütterlich am dezentralisierten Ordnungsprinzip, an der Selbstverwaltung fest, und in der Regel sind es einheimische Vertrauensleute, die man mit bestimmten Führungsaufgaben betraut. So kann eine überparteiliche Vertrauensbereitschaft entstehen, die zu einer Anerkennung des demokratischen Mehrheitsprinzips führt:

«Denn nur aus tiefverwurzeltem Vertrauen zum Kommunalismus, d.h. zum freien Gemeinschaftswillen, vermag man es allgemein als selbstverständlich zu empfinden, eine Mehrheit habe auf den freien Willen einer Minderheit nach Möglichkeit Rücksicht zu nehmen – und eine Minderheit sei ihrerseits sittlich verpflichtet, sich aus freiem Willen dem freien Willen einer Volks- und Parlamentsmehrheit zu beugen.»16

• Das Prinzip der kollektiven Verträglichkeit

In der freien Gemeinde, so Gasser, ist jeder gezwungen, mit dem politischen Gegner Kompromisse zu schliessen. Wenn der Gemeindebürger sich im kleinen, überschaubaren Raume an verantwortungsbewusstes Masshalten gewöhnt, dann «sind von vorneherein starke Kräfte der Versöhnung und des Ausgleichs mit im Spiel».17 Die «Gemeindefreiheit» vermag keine paradiesischen Zustände herzustellen. Die menschlichen Leidenschaften und Hassgefühle bleiben Bestandteile der menschlichen Natur. Aber diese oft gemeinschaftszerstörenden Kräfte stossen in der freien Kommune immer wieder, so Gasser, auf «heilsame Schranken», die «ihre politische Sprengwirkung mildern».18 Eine dieser «Schranken» ist der Wille zum Kompromiss:

«Das Streben nach sauberen Kompromissen aus echter Rücksichtnahme auf die berechtigten Lebensinteressen und Lebensanschauungen unserer Mitbürger, auch der in anderen Parteien organisierten, muss irgendwie zur zweiten Natur werden, wenn die freiheitliche Demokratie zu einer fest verwurzelten Lebensform werden soll.»19

Aus dieser kollektiven Verträglichkeit ergibt sich eine hohe Bereitschaft, überall im politischen Leben Treu und Glauben als wegleitende Werte anzuerkennen. Damit kann man den inneren und äusseren Frieden eines Gemeinwesens zwar nicht absolut garantieren, aber doch nachhaltig sichern.

• Konklusion: das Prinzip des ethischen Kollektivismus

Der von Gasser geprägte Begriff der «kommunalen Gemeinschaftsethik» ist von den beschriebenen geistig-sittlichen Prinzipien bestimmt, an die sich der einzelne Mensch gebunden fühlen muss. Die freie Gemeinde benötigt für ihre Existenz und Weiterentwicklung einen solchen «kollektiven Willen zur Selbstbindung»20 oder, anders ausgedrückt, einen «ethischen Kollektivismus».21 Gasser leuchtet damit den «inneren Wesensgehalt»22 der Demokratie aus und verleiht seinem Definitionsansatz mit dem Einbezug ethischer Prinzipien eine sozialpsychologische Dimension. Auf diese Dimension geht Gasser in seinen Texten immer wieder ein. Dabei geht er von einem positiven Menschenbild aus: Der Mensch ist von Natur aus gut.23 Jeder Mensch hat als Person bestimmte Rechte und Pflichten und kann seine nötigen sozialen Beziehungen am besten im Umfeld der freien Gemeinde knüpfen. So bringt der Mensch seine Anlagen und Kräfte zur Entfaltung und vermag im Verbund mit anderen die anstehenden Probleme zu lösen. Die autonomen Kleinräume bilden dabei eine Grundlage, die auf die wie auch immer gestalteten staatlichen Grossräume Einfluss nehmen. «Sittliche Bindungen» sichern den Frieden einer Gesellschaft gegen innen wie gegen aussen. Alle kommunal-föderativen, von unten her aufgebauten Demokratien besitzen grundsätzlich, so Gasser, eine pazifistische Tendenz. Der dezentrale Aufbau mit freien Gemeinden erreicht mit seiner Synthese von Freiheit und Ordnung einen Grad an sozialer Gerechtigkeit, der militaristisch-expansive Kräfte eindämmt. Der einzelne Mensch ist zufriedener, fühlt sich geborgen und lässt sich weniger leicht zu aussenpolitischen Kriegsabenteuern verführen.

Pädagogische Dimension der Gemeindefreiheit

Abschliessend ist noch die «pädagogische Dimension» der Gemeindefreiheit kurz darzustellen, die Gasser immer wieder erwähnt. Die Gemeinde ist für ihn eine «humanitäre Bürgerschule»24 und erfüllt einen in einer lebendigen Demokratie nicht zu unterschätzenden pädagogischen Zweck:

«Nur in einer übersichtlichen, lebensnahen Gemeinschaft vermag sich der Normalbürger das zu erwerben, was man als politisches Augenmass, als Sinn für die menschlichen Proportionen zu bezeichnen pflegt. Nur hier lernt er im täglichen Gespräch die berechtigten Anliegen seiner anders gesinnten und anders interessierten Nachbarn einigermassen begreifen und ihnen Rechnung zu tragen; nur hier entwickelt sich auf dem Boden der Freiheit jenes Minimum an Gemeinschaft, das den Hang zum Autoritarismus wie zur Anarchie wirksam einzudämmen vermag. In diesem Sinne sind und bleiben autonome Kleinräume unersetzliche Bürgerschulen, ohne die gerade der freiheitlich-demokratische Staat in seinen Wurzeln verdorren müsste.»25

Eine lebendige Demokratie braucht nicht nur gebildete Menschen, die Kulturtechniken beherrschen und die sich bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen und weiterentwickeln. Eine Demokratie braucht sozusagen auch die «emotionale Intelligenz» der Menschen.26 Diese Intelligenz muss neben der Familie zuerst in der übersichtlichen lebensnahen Gemeinschaft wachsen und kann dann auch darüber hinaus wirken. Gasser verweist bei pädagogischen Fragen immer wieder auf das Werk Heinrich Pestalozzis (1746–1827). Die verschiedenen geistesgeschichtlichen Bezüge und Vordenker verarbeitend und verdichtend, kann Gasser als der eigentliche Entdecker des «kleinen Raumes» und der «Überschaubarkeit» als Grundvoraussetzung einer funktionierenden Demokratie bezeichnet werden. Daher ist es zweifellos lohnenswert, seinen Ansatz, modifiziert durch neue Erkenntnisse, auf die Frage anzuwenden, wie in der Schweiz historisch die direkte Demokratie entstanden ist.

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2. Adolf Gassers Reflexionen über den Wert der Demokratie

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Gasser befasste sich eingehend mit den philosophischen Grundlagen der Demokratie. Die immer wieder eingebrachte Kritik, Gasser vertrete mit seinem Konzept der Gemeindefreiheit eine «spekulative» Vorstellung, kann nicht geteilt werden.27 Mit seinem dargelegten sozialpsychologischen Ansatz versucht er im Gegenteil die notwendigen Bedingungen und Voraussetzungen einer lebensfähigen Demokratie zu beschreiben. Ein zweiter Kritikpunkt ist die Zuweisung seines Hauptwerkes «Gemeindefreiheit als Rettung Europas» zur «Geistigen Landesverteidigung». Tatsache ist, dass Gasser seine Abhandlung 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, verfasste. Die Aussagen oder Erkenntnisse jedes Historikers müssen aus ihrem historischen Kontext interpretiert werden, Gasser will aber diesen zeitlichen Rahmen explizit sprengen. In der konsequenten Abwehr des Totalitarismus jeglicher Couleur formte er nach eigenen Aussagen sein föderalistisches, am «ethischen Kollektivismus» der autonomen Kleinräume orientiertes Geschichtsbild. Einerseits wollte er mit seinen Überlegungen einen geistigen Beitrag zum Wiederaufbau Europas nach dem Krieg leisten, andererseits grundsätzliche philosophische Überlegungen zur Frage der Demokratie anstellen. Konsequenterweise reflektierte Gasser nicht nur in nationalstaatlichen Grenzen, sondern plädierte nach dem Krieg für eine grundlegende Neuordnung der europäischen Verhältnisse. Dies hiess für ihn, die Bildung eines europäischen Bundesstaates anzustreben, der föderalistisch, ausgehend von selbstverwalteten kleinen Einheiten, aufgebaut werden sollte.28 Gassers Versuch, den Begriff der Demokratie genauer zu fassen, greift somit weit über die «Geistige Landesverteidigung» hinaus. Im folgenden sollen seine geistesgeschichtlichen Bezugspunkte kurz dargelegt werden.

Gasser konstatiert mit der europäischen Aufklärung den «Durchbruch zum Individualismus»29 und als deren wichtigste Frucht «die Entstehung der systematischen Forschung, der kritischen Wissenschaft».30 Vor allem in der «Bejahung des Zweifels» liegt für ihn die Stärke der abendländischen Kultur.31

«Schon die Antike und dann wieder die Scholastik liessen, basierend auf Aristoteles, zusammen mit dem Wert der rationalen, der verstandesmässigen Erkenntnis auch deren Grenze offenbar werden und prägten damit allen theologisch-philosophischen Denksystemen etwas Hypothetisches auf.»32

Aus der Bejahung des Zweifels resultierte in der geistesgeschichtlichen Epoche der Aufklärung die Bejahung der Freiheit und Toleranz. Diese Werte blieben allerdings labil, wie die europäische Geschichte seit dem 18. Jahrhundert mit ihren Brüchen deutlich zeigt:

«Immer wieder erlagen zu stark gewordene politische und religiöse Herrschaftssysteme der Verlockung, ihre Macht zu Zwecken der Unfreiheit und der Unduldsamkeit zu missbrauchen.»33

Freiheit und Toleranz bieten Gewähr für einen konstruktiven Aufbau der Gesellschaft und somit für eine optimale Entfaltung des einzelnen Menschen. Solche Werte sind niemals beständig und müssen verteidigt oder bei Verlust neu errungen werden. Im Zuge der Aufklärung wandelte sich der Freiheitsbegriff von einem korporativ-privilegienmässigen zu einem individualistisch-gleichmässigen. Gasser sieht diese Entwicklung als grossen Fortschritt:

«Zugleich sah sich das Individuum dank dieser Entwicklung von manchen Fesseln befreit, in die es bisher durch die Macht allzu engherziger Gemeinschaftstraditionen und Partikularinteressen geschlagen gewesen war.»34

Allerdings warnt er vor der einseitigen Annahme, die neu eingeführten Individualfreiheiten seien ausschliesslich das Werk der Aufklärung. Ebenso entscheidend für die Weiterentwicklung der Freiheitsidee waren die «lebendigen Selbstverwaltungstraditionen»35 in vielen Ländern, so auch in der Schweiz. Gasser erwähnt in seinen Schriften immer wieder Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), der «in seinem politischen Streben so vielfach verkannt und missdeutet worden»36 sei. Sein wichtiges Werk «Contrat social» mit dem dort herausgearbeiteten Zentralbegriff der «volonté général» befasst sich nach Gasser ausdrücklich nur mit den Zuständen in kleinräumigen Gemeinwesen. Der Begriff der «volonté général» ist dahingehend zu interpretieren, «dass jeder freie Mensch mit seinen Nachbarn nur in freier Anerkennung fester Spielregeln zusammenwirken könne».37 Dies stellt das zentrale Lebenselement aller echt autonomen Kleinräume dar. Rousseau plädierte dafür, diese autonomen Kleinräume nicht in Zentralstaaten, sondern in Föderationen zusammenzufassen. Gasser führt zu Recht aus, dass gerade die Republik «une et indivisible» der Jakobiner Rousseaus Grundidee total verfälscht habe und es deshalb abwegig sei, ihn als «Vater des Totalitarismus» zu bezeichnen.38 Rousseau, dessen «ganze Liebe dem Kleinstaat und der Idee der lokalen Selbstregierung»39 gehörte, muss vielmehr als «Befürworter der reinen Demokratie» gelten: «Er, der Genfer Bürger, hatte das kleinstaatliche Ideal der Res publica als beglückende Realität erlebt; daher schlug er vor, auch die grossen Staaten nach kleinstaatlichen Prinzipien aufzulockern – im Sinne der wichtigsten aller Gewaltentrennungen: jener von unten her.»40 Rousseau war vor allem an der Frage interessiert, wie man eine echte Volkssouveränität einrichten könne und was es für Mechanismen brauche, um zu verhindern, dass staatliche Behörden ihren Willen fälschlicherweise als den Willen des Volkes ausgeben. Gasser erwähnt in seinen Beiträgen immer wieder, wie wichtig ihm in philosophischer und anthropologischer Hinsicht der sogenannte «Personalismus» sei, also die personale Sichtweise des Menschen. Gleichzeitig betont er den unbedingten «Willen zum Miteinander»,41 den eine Gesellschaft prägen muss. Eine Gemeinschaft darf nicht von einzelnen mit Gewalt zusammengehalten werden, sondern muss gemäss dem aufklärerischen Credo auf selbstbewussten Individuen aufbauen, die «zugleich stets auch pflichtbewusste Gemeinschaftswesen bleiben».42

Christliche Soziallehre

Ein weiterer wichtiger geistesgeschichtlicher Bezugspunkt, der auch eine demokratietheoretische Grundlage darstellt, ist die christliche Soziallehre. Gasser zeigt auf, dass die christliche Ethik eine Grundlage der Aufklärung war und macht in dieser Hinsicht wichtige gegenseitige Bezüge, zum Beispiel im Naturrecht, deutlich. Darüber hinaus weist er auf den Umstand hin, dass für das Christentum die Vorstellung von einer «freien Gemeinde» von Anfang an ein wichtiger Baustein war. Dementsprechend sieht Gasser einen engen Zusammenhang zwischen der historischen Entwicklung der christlichen Kirche im spätantiken römischen Weltreich und dem Gemeindegedanken:

«Der Boden der antiken Polis war es, der den christlichen Gemeinden als Stütze diente […]. Alles in allem ist es gewissermassen so, wie wenn jede christliche Gemeinde als eine Art von ‹Gegenpolis› emporgewachsen wäre – mit dem Ziele, die stadtstaatliche Gemeinschaftsethik wieder herzustellen, die der Militarismus und der von seinem Geiste beseelte Bürokratismus zerstört hatten.»43

Die Anfänge der christlichen Kirche waren also durch ein Gemeindeprinzip geprägt. Die Institution Kirche wuchs von unten nach oben und zeichnete sich anfangs durch eine dezentrale Struktur aus. Die spätere Zentralisierung und Hierarchisierung sieht Gasser nicht unbedingt negativ, falls die Kirche sich nicht in weltliche Machtfesseln schlagen lässt und so das Vertrauen der Menschen aufs Spiel setzt. Entscheidend war, so Gasser, dass sich die christliche Kirche immer wieder ihrer historischen Wurzeln bewusst wurde und auch in der Form des Staatskirchentums entscheidend mithelfen konnte, «die christliche Ethik in Gemeinschaftsbildungen hinüberzutragen, die für sie fruchtbare Entfaltungsmöglichkeiten boten. Und das waren eben von unten her aufgebaute, volkstümlich-kommunale Staatsgebilde».44 Die christliche Ethik sorgte mit ihrem personalen Menschenbild für eine Gleichheitsvorstellung und wurde in Europa Teil der «kommunalen Gemeinschaftsethik» im Sinne Gassers:

«Der Geist der Gemeindefreiheit und der Geist des Christentums sind einander aufs engste wesensverwandt, und ohne ihre gegenseitige Stützung ruht die Idee der Menschenbildung im Bereiche der abendländischen Kultur doch nur auf brüchigen Grundlagen.»45

Auch die speziell im 19. Jahrhundert entwickelte katholische Soziallehre und die protestantischen sozialreformerischen Ansätze vertieften den Gedanken des Föderalismus und der Subsidiarität:

«Die christlichen Staats- und Soziallehren haben denn auch bisher am besten erkannt, wie wichtig es ist, die Gesellschaft vom Menschen und seinem Gewissen her aufzubauen – im Sinne des Vorrangs der schwächeren Gemeinschaftsglieder vor den stärkeren.»46

Gasser geht noch einen Schritt weiter und verleiht dem Subsidiaritätsprinzip einen neuen Aspekt: Er sagt, dass in einem Staat im Stufenbau Bürger – Gemeinde – Provinz – Staat die nächsthöhere Instanz immer nur genau umschriebenes und eindeutiges Recht handhaben dürfe und im Zweifelsfall das Recht des Schwächeren immer Vorrang habe. Im Zweifelsfall kommt also immer die Kompetenz der «unteren» bzw. bürgernäheren Gemeinschaft zum Zug. Gasser sah diesen «Stufenbau» mitsamt Subsidiaritätsprinzip auch für einen zukünftigen föderierten «Bundesstaat Europa» vor.47

Proudhons Föderalismustheorie

Gasser geht intensiv der Frage nach, welche politischen und ethischen Grundsätze ein konstruktives Gemeinschaftsleben gewährleisten. Diese Frage hätten die Intellektuellen bisher zu wenig genau untersucht. So habe der europäische Liberalismus zwar im Bereich der politischen Verfassung und der Wirtschaft durchaus die Idee der Freiheit umgesetzt, aber in der politischen Praxis sei über das Formaljuristische hinaus (gleich wie im europäischen Sozialismus) der administrative Autoritarismus erhalten geblieben. Viele Liberale hätten es nicht vermocht, sich vom bürokratischen Zentralismus, von einem militärähnlichen Befehlsapparat zu lösen. Bleibt die Gemeinde aber in einem solchen Gebilde ein blosses Werkzeug der Regierungsgewalt, kann sich für die liberale Demokratie mit der Machtfülle des Staatsapparates eine verhängnisvolle Entwicklung hin zu autoritären Staatsformen ergeben. Im Zusammenhang mit seiner Erkenntnis, dass nur ein föderalistischer Staat mit umfassender Gemeindeautonomie Garant für ein konstruktives Gemeinschaftsleben sein kann, erwähnt Gasser neben anderen Föderalismusforschern Pierre-Joseph Proudhon (1809–1865). Der anarchistische Theoretiker Proudhon, so Gasser, habe zwar den von unten her gegliederten Gesellschaftsaufbau betont, den «Staat» aber in allzu kompromissloser Weise bekämpft, indem er den Begriff «Staat» mit dem obrigkeitlichen Ordnungsprinzip der Beamtenhierarchie und der Befehlsverwaltung völlig gleichsetzte. «Staat», meint Gasser, definiere sich aber unterschiedlich. Eine Staatsordnung könne durchaus auf dem allgemeinen Willen zur lokalen Selbstverwaltung beruhen, wie beispielsweise der Aufbau des schweizerischen Bundesstaates zeige. Für Proudhon war aber gerade der schweizerische Bundesstaat das Beispiel einer Föderation, die man nicht mehr «Staat» nennen könne (vgl. weiter unten). Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind für Gasser kein Grund, Proudhon nicht in seine grundsätzlichen Überlegungen einzubeziehen. Er erwähnt im speziellen Proudhons Werk «Du principe fédératif»,48 das 1863 erstmals publiziert wurde und ihn stark beeinflusste. Proudhon versuchte als einer der ersten, philosophisch die «Theorie des föderativen Systems» darzulegen. Unter so vielen Verfassungen, die die Philosophie vorschlage und die die Geschichte in der Erprobung zeige, vereinige das föderative System als «einzige die Bedingungen für Gerechtigkeit, Ordnung, Freiheit und Dauer».49 Für Proudhon beruht jede politische Ordnung im wesentlichen auf einem grundlegenden Dualismus: auf demjenigen von Autorität und Freiheit. Diese beiden Grundsätze seien unauflöslich aneinander gebunden:

«Autorität ohne eine Freiheit, die diskutiert, Widerstand leistet oder sich unterwirft, ist ein leeres Wort; Freiheit ohne Autorität, die ein Gegengewicht zu ihr bilden, ist ein Unsinn.»50

Proudhon untersucht in seinem Buch vier Regierungsformen, die alle vom Gegensatzpaar Autorität und Freiheit geprägt sind: Unter der «Herrschaft der Autorität» subsumiert er die Monarchie und den Kommunismus, die sich durch die Ungeteiltheit der Macht auszeichneten; unter der «Herrschaft der Freiheit» teilt er die Demokratie und die Anarchie ein, die eine Teilung der Macht vornehmen würden. Die Idee einer Teilung der Macht oder die Trennung der Gewalten ist für Proudhon eine der grössten bisherigen Errungenschaften in der politischen Wissenschaft. Proudhon nannte sich selber «Anarchist», benutzt aber in seiner Schrift nicht mehr weiter den Begriff «Anarchismus», sondern stellt die «Idee der Föderation» ins Zentrum, die für ihn wohl eine Art Synthese der Demokratie und des Anarchismus war. Das Wesensmerkmal des Proudhonschen Föderalismus ist, dass in allen vertikalen Vertragsstrukturen die Macht übergeordneter Instanzen gegenüber untergeordneten abnehmen muss. Gasser übernahm diesen Gedanken von Proudhon und bezeichnete den «Staat» als «föderalistisches Gemeinwesen der Zukunft» und als eine «freiwillige vertragliche Föderation von Gemeinden».51 Proudhon erwähnt den schweizerischen Bundesstaat als einziges Beispiel, das seine genannten Wesensmerkmale in die Praxis umgesetzt habe. Die Bundesverfassung von 1848 erwähnt mit keinem Wort die Gemeinden. Es lag in der Souveränität der Kantone, die Gemeindefreiheit zu gewähren. Implizit war aber klar, dass die unterste Staatsebene die Gemeindeebene darstellt und das Subsidiaritätsprinzip gewährleistet ist. Proudhon sagt über dieses schweizerische «Staatsgebilde»:

«Somit ist eine Konföderation genau genommen kein Staat. Sie ist vielmehr eine Gruppe souveräner und unabhängiger Staaten, die durch einen Vertrag gegenseitiger Garantie verbündet sind.»52

Für Proudhon war der schweizerische Bundesstaat der praktische Beweis, dass sich seine Idee der Föderation umsetzen liess. Zusammenfassend führt Proudhon aus, «dass das föderative System das Gegenteil der Hierarchie bzw. der Verwaltungs- und Regierungszentralisation ist, durch die sich gleichermassen die Kaiserdemokratien, die konstitutionellen Monarchien und die einheitsstaatlichen Republiken auszeichnen».53 Der eigentliche Gesellschaftsvertrag ist für Proudhon immer ein Föderationsvertrag, der durch einen Rechtsakt zwischen Bürger und Staat geschlossen wird. Somit kommen die beiden gegensätzlichen Pole «Autorität» und «Freiheit» in ein Gleichgewicht. Mit der Zeit würde die Gemeinschaft von Bürgern erreichen,

«dass die erstere ständig abnimmt, die letztere aufsteigt […] und dass auf diese Weise die Freiheit danach strebt, das Übergewicht zu erlangen, die Autorität darauf gerichtet ist, Dienerin der Freiheit zu werden».54

Für Proudhon ist das föderative System auf alle Völker und Zeiten anwendbar und eine Friedensgarantie  «sowohl für ihre eigenen Mitglieder als auch für ihre nicht mit ihr verbündeten Nachbarn».55 Diese ethischen Auswirkungen sind durchaus mit Gassers «ethischem Kollektivismus» zu vergleichen. Das föderative System ist nicht nur eine bestimmte dezentrale Gesellschaftsstruktur, die Menschen, die darin leben, schaffen auch Werte, die dem Zusammenleben förderlich sind und die Gesellschaft konstruktiv voranbringen.

Schluss

Gasser war durchaus in der Lage, seinen Ansatz zu relativieren. Er meinte, die Aufgaben, die sich dem Einzelnen und der Gemeinschaft stellten, seien nie «abschliessend» gelöst. Deshalb plädiert Gasser dafür, auch sein Konzept immer wieder offen zu reflektieren und weiterzuentwickeln:

«Als Menschenwerk sind und bleiben freiheitliche Demokratien wie kommunale Autonomie überall mit argen Mängeln behaftete, dauernd reformbedürftige Institutionen.»56

In einem seiner letzten längeren Beiträge führt er weiter dazu aus:

«Das vom Verfasser seit 40 Jahren entwickelte Geschichtsbild liefert kein Rezept zur Bewältigung der die freie Welt bedrängenden Tagesprobleme. Dafür verweist es auf Zusammenhänge für die Gestaltung der Zukunft, d.h. auf die für alle freien Völker lebenswichtige Grundfrage, wie demokratische und kommunale Selbstregierung krisenfest gestaltet werden kann.»57

Es sind diese grundsätzlichen Reflexionen über den Wert der Demokratie, welche die Betrachtung von Gassers Konzept lohnenswert machen. Dies gerade auch in komparativer Weise über Europa hinaus und einen interkulturellen Dialog über demokratische Ansätze in aussereuropäischen Kulturen anregend. Auch für die Frage, wie demokratische Strukturen nachhaltig gebildet werden können – so etwa in einer Transitionsphase nach einer Diktatur –, müssten Gassers Gedanken – eines zu wenig beachteten und insgesamt unterschätzten Historikers – stärker mit einbezogen werden.

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3. Adolf Gassers Grundlinien einer ethischen Geschichtsauffassung

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Der Schweizer Historiker Adolf Gasser stellt die Gemeindefreiheit ins Zentrum seiner Überlegungen. Nachdem wir in den letzten beiden Ausgaben von «Zeit-Fragen» die historische und die ethische Dimension der Gemeindefreiheit betrachtet haben, wird es nun um die pädagogische Dimension gehen. Anschliessend werden die demokratietheoretischen Grundlagen von Adolf Gasser untersucht. Ein erster Abschnitt wird sich der europäischen Aufklärung widmen, die für Gasser ein wichtiger Bezugspunkt ist.

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Gassers grundsätzliche Überlegungen zur Frage der Demokratie beschränken sich nicht auf das Schweizer Modell. Seine Grundlinien einer ethischen Geschichtsauffassung sind universell zu verstehen, wie auch sein personaler Ansatz und sein positives Menschenbild nicht nur auf die abendländische Kultur zielen. Auf die heutige Kriegssituation übertragen heisst dies, dass Demokratie nicht von oben einfach verordnet und schon gar nicht mit einer Besetzungsarmee einem Land mit Gewalt eingepflanzt werden kann. Für eine nachhaltige demokratische Entwicklung braucht es die Anbindung an demokratische Traditionen, die in allen Kulturen zu finden sind. Weiter ist ein dezentraler, von freien Gemeinden getragener genossenschaftlicher Aufbau einer Gesellschaft nötig. Dieser muss das Resultat eines intensiven Dialoges der betroffenen Bevölkerung sein.

Pädagogische Dimension der Gemeindefreiheit

Schliesslich ist noch die «pädagogische Dimension» der Gemeindefreiheit darzustellen, die Gasser immer wieder erwähnt. Die Gemeinde ist für ihn eine «humanitäre Bürgerschule» und erfüllt einen in einer lebendigen Demokratie nicht zu unterschätzenden pädagogischen Zweck:

«Nur in einer übersichtlichen, lebensnahen Gemeinschaft vermag sich der Normalbürger das zu erwerben, was man als politisches Augenmass, als Sinn für die menschlichen Proportionen zu bezeichnen pflegt. Nur hier lernt er im täglichen Gespräch die berechtigten Anliegen seiner andersgesinnten und anders interessierten Nachbarn einigermassen zu begreifen und ihnen Rechnung zu tragen; nur hier entwickelt sich auf dem Boden der Freiheit jenes Minimum an Gemeinschaft, das den Hang zum Autoritarismus wie zur Anarchie wirksam einzudämmen vermag. In diesem Sinne sind und bleiben autonome Kleinräume unersetzliche Bürgerschulen, ohne die gerade der freiheitlich-demokratische Staat in seinen Wurzeln verdorren müsste.»

Eine lebendige Demokratie braucht nicht nur gebildete Menschen, die Kulturtechniken beherrschen und die sich bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen und weiterentwickeln. Eine Demokratie braucht sozusagen auch die «emotionale Intelligenz» der Menschen. Diese Intelligenz muss neben der Familie zuerst in der übersichtlichen lebensnahen Gemeinschaft wachsen und kann dann auch darüber hinaus wirken. Gasser verweist bei pädagogischen Fragen immer wieder auf das Werk Heinrich Pestalozzis. Die verschiedenen geistesgeschichtlichen Bezüge und Vordenker verarbeitend und verdichtend, kann Gasser als der eigentliche Entdecker des «kleinen Raumes» und der «Überschaubarkeit» als Grundvoraussetzung einer funktionierenden Demokratie bezeichnet werden. Es ist zweifellos lohnenswert, seinen Ansatz, modifiziert durch neue Erkenntnisse, auf die Frage anzuwenden, wie in der Schweiz die direkte Demokratie entstanden ist.

Demokratietheoretische Grundlagen

Gasser befasste sich eingehend mit den philosophischen Grundlagen der Demokratie. Er betont, dass das «Experiment Demokratie» nur gelingen kann, wenn es von unten, ausgehend von freien Gemeinden, aufgebaut wird und in diesem Freiraum sich ein am Menschen orientiertes ethisches Fundament entwickeln kann. Die immer wieder eingebrachte Kritik, Gasser vertrete mit seinem Konzept der Gemeindefreiheit eine «spekulative» Vorstellung, kann nicht geteilt werden. Mit seinem dargelegten sozialpsychologischen Ansatz versucht er im Gegenteil die notwendigen Bedingungen und Voraussetzungen einer lebensfähigen Demokratie zu beschreiben.

Ein zweiter Kritikpunkt ist die Zuweisung seines Hauptwerkes «Gemeindefreiheit als Rettung Europas» zur «Geistigen Landesverteidigung». Tatsache ist, dass Gasser seine Abhandlung 1943 mitten im Zweiten Weltkrieg verfasste. Die Aussagen oder Erkenntnisse jedes Historikers müssen aus ihrem historischen Kontext interpretiert werden, Gasser will aber diesen zeitlichen Rahmen explizit sprengen. In der konsequenten Abwehr des Totalitarismus jeglicher Couleur formte er nach eigenen Aussagen sein föderalistisches, am «ethischen Kollektivismus» der autonomen Kleinräume orientiertes Geschichtsbild. Einerseits wollte er mit seinen Überlegungen einen geistigen Beitrag zum Wiederaufbau Europas nach dem Krieg leisten, andererseits grundsätzliche philosophische Überlegungen zur Frage der Demokratie anstellen.

Konsequenterweise reflektierte Gasser nicht nur in nationalstaatlichen Grenzen, sondern plädierte nach dem Krieg für eine grundlegende Neuordnung der europäischen Verhältnisse. Dies hiess für ihn, die Bildung eines europäischen Bundesstaates anzustreben, der föderalistisch, ausgehend von selbstverwalteten kleinen Einheiten, aufgebaut werden sollte. Gassers Versuch, den Begriff der Demokratie genauer zu fassen, greift somit weit über die «Geistige Landesverteidigung» hinaus. Im folgenden sollen seine geistesgeschichtlichen Bezugspunkte dargelegt werden.

Europäische Aufklärung

Gasser konstatiert mit der europäischen Aufklärung den «Durchbruch zum Individualismus» und als deren wichtigste Frucht «die Entstehung der systematischen Forschung, der kritischen Wissenschaft». Im Gegensatz zum asiatisch-russischen Denken, das stark kollektivistisch orientiert sei, liegt für ihn die Stärke der abendländischen Kultur vor allem in der «Bejahung des Zweifels»:

«Schon die Antike und dann wieder die Scholastik liessen, basierend auf Aristoteles, zusammen mit dem Wert der rationalen, der verstandesmässigen Erkenntnis auch deren Grenze offenbar werden und prägten damit allen theologisch-philosophischen Denk systemen etwas Hypothetisches auf.»

Aus der Bejahung des Zweifels resultierte in der geistesgeschichtlichen Epoche der Aufklärung die Bejahung der Freiheit und der Toleranz. Diese Werte blieben allerdings labil, wie die europäische Geschichte seit dem 18. Jahrhundert mit ihren Brüchen deutlich zeigt:

«Immer wieder erlagen zu stark gewordene politische und religiöse Herrschaftssysteme der Verlockung, ihre Macht zu Zwecken der Unfreiheit und der Unduldsamkeit zu missbrauchen.»

Freiheit und Toleranz bieten Gewähr für einen konstruktiven Aufbau der Gesellschaft und somit für eine optimale Entfaltung des einzelnen Menschen. Solche Werte sind niemals beständig und müssen verteidigt oder bei Verlust neu errungen werden. Im Zuge der Aufklärung wandelte sich der Freiheitsbegriff von einem korporativ-privilegienmässigen zu einem individualistisch-gleichmässigen. Gasser sieht diese Entwicklung als grossen Fortschritt:

«Zugleich sah sich das Individuum dank dieser Entwicklung von manchen Fesseln befreit, in die es bisher durch die Macht allzu engherziger Gemeinschaftstraditionen und Partikularinteressen geschlagen gewesen war.»

Allerdings warnt er vor der einseitigen Annahme, die neu eingeführten Individualfreiheiten seien ausschliesslich das Werk der Aufklärung. Ebenso entscheidend für die Weiterentwicklung der Freiheitsidee waren die «lebendigen Selbstverwaltungstraditionen» in vielen Ländern, so auch in der Schweiz. Gasser erwähnt in seinen Schriften immer wieder Jean-Jacques Rousseau, der «in seinem politischen Streben so vielfach verkannt und missdeutet worden» sei. Sein wichtiges Werk «Contract social» mit dem dort herausgearbeiteten Zentralbegriff der «volonté général» befasst sich nach Gasser ausdrücklich nur mit den Zuständen in kleinräumigen Gemeinwesen. Der Begriff des «volonté général» ist dahingehend zu interpretieren, «dass jeder freie Mensch mit seinen Nachbarn nur in freier Anerkennung fester Spielregeln zusammenwirken könne». Dies stellt das zentrale Lebenselement aller echt autonomen Kleinräume dar. Rousseau plädiert dafür, diese autonomen Kleinräume nicht in Zentralstaaten, sondern in Föderationen zusammenzufassen. Gasser führt zu Recht aus, dass gerade die Republik («une et indivisible») der Jakobiner Rousseaus Grundidee total verfälscht habe und es deshalb abwegig sei, ihn als «Vater des Totalitarismus» zu bezeichnen. Rousseau, dessen «ganze Liebe dem Kleinstaat und der Idee der lokalen Selbstregierung» gehörte, muss vielmehr als «Befürworter der reinen Demokratie» gelten:

«Er, der Genfer Bürger, hatte das kleinstaatliche Ideal der Res publica als beglückende Realität erlebt; daher schlug er vor, auch die grossen Staaten nach kleinstaatlichen Prinzipien aufzulockern ? im Sinne der wichtigsten aller Gewaltentrennungen: jener von unten her.»

Rousseau war vor allem an der Frage interessiert, wie man eine echte Volkssouveränität einrichten könne und was es für Mechanismen brauchte, um zu verhindern, dass staatliche Behörden ihren Willen fälschlicherweise als den Willen des Volkes ausgeben. Gasser erwähnt in seinen Beiträgen immer wieder, wie wichtig ihm in philosophischer und anthropologischer Hinsicht der sogenannte «Personalismus» sei, also die personale Sichtweise des Menschen. Gleichzeitig betont er den unbedingten «Willen zum Miteinander», den eine Gesellschaft prägen muss. Eine Gemeinschaft darf nicht von einzelnen mit Gewalt zusammengehalten werden, sondern muss gemäss dem aufklärerischen Credo auf selbstbewussten Individuen aufbauen, die «zugleich stets auch pflichtbewusste Gemeinschaftswesen bleiben». Für eine aufgeklärte «politische Kultur», die demokratische Verhältnisse, also Freiheit und Toleranz, langfristig sichert, steht für Gasser der Beziehungsaspekt im Zentrum:

«Immer bleibt im Vergleich zu dem, was die Menschen leisten, auf die Dauer wichtiger, wie sie ihre gegenseitigen Beziehungen gestalten. Insofern ist ?Kultur? nicht nur ein Leistungsbegriff, sondern ebensosehr ein Beziehungs- und vor allem ein Erziehungsbegriff.»

Gasser betont in diesem Zusammenhang immer wieder den pädagogischen Wert des Genossenschaftsgedankens als Grundlage der politischen Kultur. Um die Probleme des Gemeinschaftslebens richtig zu lösen, ist nicht der Aufbau von Verfassung und Wirtschaft entscheidend, sondern der genossenschaftliche Aufbau der Verwaltung. Ausgangspunkt dafür sind dezentral organisierte, freie Gemeinden. Nur im übersichtlichen Kleinraum der Gemeinde ist es nach seiner Überzeugung möglich, Individualismus und Kollektivismus miteinander zu versöhnen. Solche Gemeinden, zu einem föderativen Staatswesen verbunden, stellen für den Menschen einen geistigen und sozialen Freiraum dar, sich als Person zu entwickeln und gleichzeitig mit dem anderen verbunden zu bleiben. Diesen geistigen und sozialen Raum umschreibt Gasser mit dem Begriff des «ethischen Kollektivismus» (vgl. Zeit-Fragen Nr. 46). Freiräume haben sich in den schweizerischen Gemeinden lange vor dem 18. Jahrhundert entwickelt. Für die europäischen Aufklärer war die Schweiz mit ihren freiheitlichen Traditionen ein wichtiges Modell. Mit diesem Beispiel vor Augen konkretisierten sie ihre Theorien, die so einen praxisnahen Bezug erhielten (vgl. unter anderen Jean Bodin als eigentlicher Frühaufklärer, Montes quieu sowie Rousseau mit ihren Hinweisen auf das Schweizer Modell).

1    Adolf Gasser, Gemeindefreiheit als Rettung Europas. Grundlinien einer ethischen Geschichtsauffassung, zweite, stark erweiterte Auflage, Basel 1947, S. 7–12.

2    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 10.

3    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 10f.

4    Gasser benutzt den Begriff «frei» bzw. «Freiheit» im Zusammenhang mit der staatspolitischen Kategorie der «Gemeinde» sehr umfassend. Er beschränkt den Begriff nicht nur auf die konkreten politischen Mitbestimmungsrechte. Diese blieben in der Schweiz im Ancien régime auf die Ortsbürger der einzelnen Gemeinde beschränkt, waren also exklusiv. Erst die Helvetik und dann wieder die Regeneration weiteten die Mitbestimmungsrechte kantonal aus. Am längsten ausgeschlossen blieben die Frauen.

5    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 15.

6    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 17.

7    Adolf Gasser, Bürgermitverantwortung als Grundlage echter Demokratie, in: ders., Staatlicher Grossraum und autonome Kleinräume, Basel 1976, S. 43.

8    Adolf Gasser, Staatlicher Grossraum und autonome Kleinräume, Basel 1976, S. 147.

9    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 12.

10    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 11.

11    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 19.

12    Adolf Gasser, Der europäische Mensch in der Gemeinschaft, in: ders., Staatlicher Grossraum und autonome Kleinräume, Basel 1976, S. 4.

13    Gasser, Bürgermitverantwortung, S. 33.

14    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 27.

15    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 20.

16    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 97.

17    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 24.

18    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 24.

19    Gasser, Bürgermitverantwortung, S. 34.

20    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 16.

21    Gasser, Mensch, S. 4.

22    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 10.

23    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 255.

24    Vgl. Adolf Gasser, Die Schweizer Gemeinde als Bürgerschule (1959), in: ders., Staatlicher Grossraum und autonome Kleinräume, Basel 1976, S. 85–91.

25    Adolf Gasser, Zum Problem der autonomen Kleinräume. Zweierlei Staatsstrukturen in der freien Welt, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung «Das Parlament», B 31/77, S. 4.

26    Vgl. Daniel Goleman, Emotionale Intelligenz, München 1997.

27    Vgl. etwa Peter Blickle, Kommunalismus. Begriffsbildung in heuristischer Absicht, in: Ders. (Hg.), Landgemeinde und Stadtgemeinde in Mitteleuropa. Ein struktureller Vergleich, München 1991, S. 5f.

28    Helmut Kalkbrenner, Adolf Gasser zum 80. Geburtstag, in: Fried Esterbauer et.al. (Hg.), Von der freien Gemeinde zum föderalistischen Europa. Festschrift für Adolf Gasser zum 80. Geburtstag, Berlin 1983, S. 18–23.

29    Gasser, Mensch, S. 3.

30    Gasser, Mensch, S. 3.

31    Gasser, Mensch, S. 3.

32    Gasser, Mensch, S. 3.

33    Gasser, Mensch, S. 3.

34    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 92.

35    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 93.

36    Adolf Gasser, Gemeindefreiheit und die Zukunft Europas. Zweierlei Staatsstrukturen in der freien Welt (1977), in: Ders., Ausgewählte historische Schriften, 1933–1983, Basel 1983, S. 461.

37    Gasser, Gemeindefreiheit und die Zukunft Europas, S. 461, Anmerkung 3.

38    Vgl. Adolf Gasser, J.J. Rousseau als Vater des Totalitarismus? (1953), in: Ders., Ausgewählte historische Schriften, 1933–1983, Basel 1983, S. 180–182.

39    Gasser, Rousseau, S. 180.

40    Gasser, Rousseau, S. 180f.

41    Gasser, Mensch, S. 4.

42    Gasser, Mensch, S. 4.

43    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 46f.

44    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 49.

45    Gasser, Gemeindefreiheit, S. 49f.; auch Gasser, Mensch, S. 11.

46    Gasser, Mensch, S. 11.

47    Adolf Gasser, Europa Aeterna. Eine Gesamtschau über das Leben Europas und seiner Völker, in: Ders., Staatlicher Grossraum und autonome Kleinräume, S. 3–12.

48    Vgl. Pierre-Joseph Proudhon, Über das föderative Prinzip und die Notwendigkeit, die Partei der Revolution wieder aufzubauen, Teil 1 (1863), Frankfurt am Main 1989 (Demokratie, Ökologie, Föderalismus. Schriftenreihe der Internationalen Gesellschaft für Politik, Friedens- und Umweltforschung e.V., hg. von Lutz und Regine Roemfeld, Band 6).

49    Proudhon, Prinzip, S. 29.

50    Proudhon, Prinzip, S. 30.

51    Vgl. Gasser, Gemeindefreiheit, S. 22f.

52    Proudhon, Prinzip, S. 75.

53    Proudhon, Prinzip, S. 75.

54    Proudhon, Prinzip, S. 84.

55     Proudhon, Prinzip, S. 90.

56     Gasser, Gemeindefreiheit und die Zukunft Europas, S. 460.

57     Gasser, Gemeindefreiheit und die Zukunft Europas, S. 460.

Adolf Gasser

Der Schweizer Historiker Adolf Gasser (1903-1985) schloss sein Studium in Heidelberg und Zürich mit Promotionen in Geschichte und klassischer Philologie ab. Von 1928 bis 1969 unterrichtete er als Gymnasiallehrer in Basel. Im Zuge seiner Lehraufträge wurde er 1936 Privatdozent und 1942 Lehrbeauftragter; von 1950 bis 1985 lehrte er als a.o. Professor für Verfassungsgeschichte an der Universität Basel. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete er eine rege Vortragstätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Gasser war Mitbegründer des Rates der Gemeinden Europas, von 1953 bis 1968 war er freisinniger Basler Grossrat, und er war Präsident der FDP des Kantons Basel.

Werke: –    Die territoriale Entwicklung der Schweiz. Eidgenossenschaft 1291–1797, 1932 –    Gesch. der Volksfreiheit und der Demokratie, 1939 –    Gemeindefreiheit als Rettung Europas, 1943 –    Von der Grundlage des Staates, 1950

Quelle : Zeit-Fragen

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