Unterm Zwischenhimmel
Posted on avril 28th, 2011 by KlappersteinGrenzgänger : The Ultimate Martin Graff Chronicles. Martin Graff denkt über das Wort Heimat nach
Unterm Zwischenhimmel
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Frankreich hat einen neuen Innenminister, Claude Guéant, der sich nicht mehr wohl fühlt en France parce qu’il y a trop d’étrangers sur le territoire de la République. Er fühlt sich fremd in der eigenen Heimat. Was wird passieren, wenn er das Elsass besucht? Bestimmt wird er sagen: » En Alsace je ne me sens pas en France! » Das sagen alle Pariser, qui nous rendent visite. Störche, Sauerkraut, Fachwerkhäuser. Sogar monsieur le Président hat das Elsass mit Deutschland verwechselt lorsqu’il nous a rendu visite en janvier 2011.
Schlimmer noch: Wir sprechen eine Sprache, die so fremd klingt: Elsässisch. Schon im 18. Jahrhundert stellte Monsieur Mange, der Gesandte des Sonnenkönigs, fest: « Les Alsaciens ont le sang épais. » Dickes Blut sollen wir haben, deutsches Blut. Das fließt ganz anders, als du sang tricolore.
En même temps posaunt die Regierung täglich, dass Frankreich das attraktivste Land des Planeten Erde ist. Des millions de touristes besuchen uns parce que la France est le plus beau pays du monde.
Nur Widersprüche. Monsieur le Président schießt aus alles Röhren pour libérer les peuples de la terre. Einmal befreit, kommen die Befreiten natürlich zu uns, parce nous sommes le plus beau pays du monde, um unsere Freiheit zu genießen. Stopp – bis hier und keinen Schritt weiter. Wie sollen das Afrikaner verstehen?
Oma Caroline liest gerade « Zwischenhimmel » von Stefan Pflaum. Elle y a trouvé un poème sur la Heimat: « Martin, lerne das Gedicht auswendig, fahre nach Paris und schmettere es dem Innenmister um die Ohren! »
In meiner Heimat fragen mich die Freunde: « Warum gehst du nicht weg? » In der Fremde fragen mich die Leute: « Wann gehst du zurück? »
In meiner Heimat war ich in Gedanken/meist anderswo. In der Fremde bin ich mit dem Herzen/ immer in der Heimat.
In meiner Heimat ging ich zum Nachbarn/lachen und weinen .In der Fremde weine ich,
weil mir der Nachbar fehlt.
In meiner Heimat grüßten mich die Kinder mit « Herr ! » In der Fremde rufen mich die Herren:
« He Du, Ali! »In meiner Heimat hatte ich eine Sprache/ und musste schweigen.
In der Fremde darf ich alles sagen,
finde aber nicht die richtigen Worte.In meiner Heimat fragen mich alte Freunde heute: »Wer bist du? »
In der Fremde fragen mich die Fremden immer noch: »Woher kommst du? »
Ich wurde schon bei der ersten Strophe einkassiert. Der Schlagstock blockierte meine französische Schädelseite. Da meine Muttersprache nicht Französisch klingt, verwechselte der Innenminister Elsässisch mit Komi, einem Dialekt auf der Halbinsel Kola. Ab nach Russland. Nochmal Glück gehabt. Es hätte auch Afghanistan sein können. À plus.
Quelle : Badische Zeitung – Grenzgänger






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